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  Michael Wessels erklärt im Interview mit der IVZ, was sich im neuen Jahr für Autofahrer ändert

"Nachrüstung bei Euro 4 lohnt sich nicht"

von Jens T. Schmidt, Ibbenbürener Volkszeitung, 05.01.2019

2019 ändet sich für Autofahrer einiges. Michael Wessels, Kfz-Sachverständiger aus Hopsten, erläutert im Interview die Details.

Herr Wessels, der Diesel-Skandal war das beherrschende Auto-Thema 2018. Das Bundesverkehrsministerium hat nun erklärt, der Weg für Hardware-Nachrüstungen älterer Diesel sei frei. Glauben Sie, dass das 2019 kommt?
Bei Euro-4-Diesel denke ich, dass sich das wirtschaftlich nicht mehr lohnt. Aber bei Euro-5-Fahrzeugen kann ich mir das sehr gut vorstellen. Da gibt es sicherlich Zulieferer, die die entsprechenden Pläne schon in der Tasche haben. Die technischen Vorschriften des Ministeriums muss man sich nun im Detail angucken, aber grundsätzlich steht der Hardware-Nachrüstung nichts mehr im Wege. Ich gehe auch davon aus, dass das zu vertretbaren Beträgen umsetzbar ist.

Fahrverbote in Osnabrück und Münster, die beiden großen Städte in unserer Region, sind derzeit nicht geplant. Glauben Sie, dass das so bleibt?
Ich habe nicht die Befürchtung, dass es in Osnabrück oder Münster Fahrverbote geben wird. Das Nächste, was uns betrifft, wird sicherlich das Ruhrgebiet sein. Über Sinn und Unsinn von Fahrverboten auf einzelnen Straßen muss man natürlich nachdenken. In Hamburg hat man gesehen: Eine Straße wird gesperrt, die Leute fahren Umwege und stoßen noch mehr Abgase aus.

Aber es gibt Grenzwerte, die geltendes Recht sind. 
Dieser Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Quadratmeter Luft ist sehr niedrig angesetzt. Aber das lässt sich im Nachhinein nicht mehr ändern. Wir haben die ersten Fahrverbote, man muss nun das Beste draus machen. Das heißt Hardware-Nachrüstungen, und die Abgassysteme müssen weiter verbessert werden. Die Technik ist in den letzten Jahren erheblich vorangeschritten, ich sehe uns da auf einem sehr guten Weg. Und hätten sich die Fahrzeughersteller an die Vorschriften gehalten, dann hätten wir diese Diskussion überhaupt nicht.

Hat der Diesel eine Zukunft?
Der Diesel ist der wirtschaftlich sinnvollste Motor mit dem effizientesten Wirkungsgrad. Für lange Strecken, besonders im Nutzfahrzeugbereich, wird der Diesel weiterhin führend sein. Deutschland ist mit dieser Technik weit vorne, und das Thema Abgas-Nachbehandlung kriegen wir in den Griff, glaube ich.

Die Bundesregierung wollte mal eine Million E-Autos bis 2020. Davon sind wir weit entfernt, oder? 
Derzeit sind es rund 200 000 und davon sind rund 60 Prozent Plug-in-Hybride. Ich erwarte den Durchbruch in diesem oder dem nächsten Jahr. Einerseits weil es einen neuen Steuervorteil für E- oder Hybrid-Dienstwagen gibt, die auch privat genutzt werden: Nicht mehr ein Prozent, sondern nur 0,5 Prozent des Listenneupreises müssen als geldwerter Vorteil versteuert werden. Außerdem sind im 600-Millionen-Fördertopf des Staates noch 440 Millionen Euro drin. Es wird also zunehmend attraktiv, ein Elektrofahrzeug anzuschaffen. Es gibt mittlerweile auch wirklich attraktive Modelle, und zur Jahresmitte will VW den ID vorstellen, ein E-Auto der Golfklasse mit mehr als 300 Kilometern Reichweite für 27 500 Euro.

Eigentlich sollten E-Autos dazu beitragen, dass der Verkehr leiser wird. Nun sollen sie künstlich Motorengeräusche erzeugen? 
Ja, E-Autos, die ab 1. Juli neu zugelassen werden, sollen bis 20 km/h – also nur beim Anfahren – ein Geräusch erzeugen, das dem Verbrennungsmotor ähnelt. Damit sollen besonders ältere oder nicht so aufmerksame Verkehrsteilnehmer auf das Auto aufmerksam gemacht werden. Ich finde es positiv, denn 100 Jahre lang hat sich der Mensch an dieses Geräusch gewöhnt, und es dauert eben Jahre, bis man das Neue verinnerlicht hat.

Erstzulassungen sollen bald auch übers Internet möglich sein?
Theoretisch ja, aber dafür benötigt man auch den Personalausweis mit Online-Funktion. Dann muss man natürlich noch gucken, woher man sein Kennzeichen bekommt, aber das geht auch online. Das Abmelden übers Internet ist übrigens schon seit 2015 möglich. Und ebenfalls im Kreis Steinfurt möglich ist, dass man sich online einen Termin geben lässt.

Was müssen die Autofahrer noch wissen?
Ganz wichtig: Die orangefarbene HU-Plakette ist 2019 fällig. 2018 war ja die grüne dran. Wer jetzt noch eine grüne hat, muss schnellstmöglich zur Hauptuntersuchung. Wenn der Pkw die HU besteht, gibt es eine gelbe Plakette.

Foto: Jens T. Schmidt